„Krieg bedeutet Ausgeliefertsein, Schutz-

losigkeit, Not und Chaos“

Zeitzeugen präsentieren beeindruckende Ausstellung

im Kreishaus Ahrweiler

20.5.2017 |  Die Ausstellung „Die vergessene Generation – Kriegskinder zeigen ihre Geschichte(n)“ im Foyer der Kreisverwaltung Ahrweiler präsentiert Erfahrungen jener Generation, deren Kindheitserinnerungen vom II. Weltkrieg überschattet sind. Foto: E.T. Müller Gerade in Zeiten von Krieg, Flucht und Vertreibung sei es wichtig, „die Generation zu hören, die das erlebt hat“, betonte Landrat Dr. Jürgen Pföhler, der die gemeinsame Ausstellung von Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V. und vom Kreis Ahrweiler vorstellte und die Zeitzeugen sowie Caritas-Geschäftsführer Richard Stahl und Caritas-Mitarbeiterin Mechthild Haase von der Beratungs- und Koordinierungsstelle Ehrenamt herzlich begrüßte. Mechthild Haase hatte vor einigen Jahren Gesprächsreihen in Bad Neuenahr- Ahrweiler, Remagen und Adenau initiiert. Daraus entstanden sind Zeitzeugen- projekte, so auch die Adenauer Gruppe, 2015 mit dem Innovationspreis aus dem Förderprogramm des Kreises Ahrweiler für Senioren ausgezeichnet. Bundesweit verkauft und in die bereits vierte Auflage ging das Kochbuch „Blick in Mutters Kochbuch zu Hungerzeiten“. Für die Ausstellung in der Kreisverwaltung haben Kriegskinder ihre Erfahrungen auf großen Plakaten in Text und Bild zusammengefasst, ein befreiender Akt, endlich das lange Schweigen zu brechen. Vier Kriegskinder berichten seit sechs Jahren in Schulklassen von der schlimmen Zeit. Immer zu zweit erzählen sie den Schülern authentisch vom Krieg und vom Zeitraum um 1945 im Nachkriegsdeutschland. Zur Ausstellungseröffnung referierten Friedel Besser, Anneliese Dockter, Gertrud Heckmann, Gisela Schmütz, Dieter Caffine und Eberhard Schimansky über ihre Kindheitserfahrungen, während Mechthild Haase den Part der leider erkrankten Helene Seuter übernahm. Krieg, Flucht und Vertreibung, Hunger und Kinderland- verschickung kamen zur Sprache. Schlimme Bombenangriffe überlebte Anneliese Dockter im Luftschutzbunker: „Wir hörten die Bomber über uns, dann Einschläge von Bomben, die zeitlich immer enger aufeinander folgten. Dann bebte das Haus, Mörtel und Steine flogen, Staub nahm uns die Sicht. Wir husteten, weil wir keine Luft bekamen. ‚Raus hier‘, schrie jemand. Mein Vater nahm mich auf die Schultern und trug mich über Schutt, Steine und heruntergestürzte Balken auf den Hof.“ Auch Friedel Besser erzählte von massiven Bombenan¬griffen, „1942 schon serienweise. Ich sah Tote und Verletzte. Die verletzten und blutenden Menschen lösten bei mir große Panik aus. Der Tod wurde für mich gegenwärtig. Wenn die Sirene ging, bekam ich Angst. Krieg bedeutet für mich vor allem Ausgeliefertsein, Schutzlosigkeit, Not und Chaos.“ Bei den Berichten der Zeitzeugen hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Gespannt lauschten den Ausführungen auch die Schülerinnen und Schüler der Philipp Freiherr von Boeselager Realschule plus, der Realschule Calvarienberg und der Berufsbildenden Schule des Landkreises Ahrweiler (BBS) – Bereich Altenpflege. Gerade für in der Altenpflege Tätige ist es wichtig, mehr über das Leben der von ihnen gepflegten Menschen zu wissen. Mechthild Haase will die Berichte ergänzend im Geschichtsunterricht verortet wissen, „denn die schmerzlichen Erfahrungen müssen im Kontext des von Deutschland entfachten Krieges gesehen werden.“ Die hochspannende Ausstellung kann bis zum 31. Mai zu den Öffnungszeiten der Kreisverwaltung Ahrweiler besucht werden. Weitere Infos: Mechthild Haase Caritasverband in Ahrweiler Tel. 02641 – 75 98 60

„Krieg bedeutet Ausgeliefertsein,

Schutzlosigkeit, Not und Chaos“

Zeitzeugen präsentieren

beeindruckende Ausstellung

im Kreishaus Ahrweiler

20.5.2017 |  Die Ausstellung „Die vergessene Generation – Kriegskinder zeigen ihre Geschichte(n)“ im Foyer der Kreisverwaltung Ahrweiler präsentiert Erfahrungen jener Generation, deren Kindheitserinnerungen vom II. Weltkrieg überschattet sind. Foto: E.T. Müller Gerade in Zeiten von Krieg, Flucht und Vertreibung sei es wichtig, „die Generation zu hören, die das erlebt hat“, betonte Landrat Dr. Jürgen Pföhler, der die gemeinsame Ausstellung von Caritasverband Rhein-Mosel- Ahr e.V. und vom Kreis Ahrweiler vorstellte und die Zeitzeugen sowie Caritas-Geschäfts- führer Richard Stahl und Caritas-Mitarbeiterin Mechthild Haase von der Beratungs- und Koordinierungsstelle Ehrenamt herzlich begrüßte. Mechthild Haase hatte vor einigen Jahren Gesprächsreihen in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Remagen und Adenau initiiert. Daraus entstanden sind Zeitzeugenprojekte, so auch die Adenauer Gruppe, 2015 mit dem Innovationspreis aus dem Förderprogramm des Kreises Ahrweiler für Senioren aus- gezeichnet. Bundesweit verkauft und in die bereits vierte Auflage ging das Kochbuch „Blick in Mutters Kochbuch zu Hungerzeiten“. Für die Ausstellung in der Kreisverwaltung haben Kriegskinder ihre Erfahrungen auf großen Plakaten in Text und Bild zusammengefasst, ein befreiender Akt, endlich das lange Schweigen zu brechen. Vier Kriegskinder berichten seit sechs Jahren in Schulklassen von der schlimmen Zeit. Immer zu zweit erzählen sie den Schülern authentisch vom Krieg und vom Zeitraum um 1945 im Nachkriegsdeutschland. Zur Ausstellungseröffnung referierten Friedel Besser, Anneliese Dockter, Gertrud Heckmann, Gisela Schmütz, Dieter Caffine und Eberhard Schimansky über ihre Kindheitserfahrungen, während Mechthild Haase den Part der leider erkrankten Helene Seuter übernahm. Krieg, Flucht und Vertreibung, Hunger und Kinderland- verschickung kamen zur Sprache. Schlimme Bombenangriffe überlebte Anneliese Dockter im Luftschutzbunker: „Wir hörten die Bomber über uns, dann Einschläge von Bomben, die zeitlich immer enger aufeinander folgten. Dann bebte das Haus, Mörtel und Steine flogen, Staub nahm uns die Sicht. Wir husteten, weil wir keine Luft bekamen. ‚Raus hier‘, schrie jemand. Mein Vater nahm mich auf die Schultern und trug mich über Schutt, Steine und heruntergestürzte Balken auf den Hof.“ Auch Friedel Besser erzählte von massiven Bombenan¬griffen, „1942 schon serienweise. Ich sah Tote und Verletzte. Die verletzten und blutenden Menschen lösten bei mir große Panik aus. Der Tod wurde für mich gegenwärtig. Wenn die Sirene ging, bekam ich Angst. Krieg bedeutet für mich vor allem Ausgeliefertsein, Schutzlosigkeit, Not und Chaos.“ Bei den Berichten der Zeitzeugen hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Gespannt lauschten den Ausführungen auch die Schülerinnen und Schüler der Philipp Freiherr von Boeselager Realschule plus, der Realschule Calvarienberg und der Berufs- bildenden Schule des Landkreises Ahrweiler (BBS) – Bereich Altenpflege. Gerade für in der Altenpflege Tätige ist es wichtig, mehr über das Leben der von ihnen gepflegten Menschen zu wissen. Mechthild Haase will die Berichte ergänzend im Geschichts- unterricht verortet wissen, „denn die schmerzlichen Erfahrungen müssen im Kontext des von Deutschland entfachten Krieges gesehen werden.“ Die hochspannende Ausstellung kann bis zum 31. Mai zu den Öffnungszeiten der Kreisverwaltung Ahrweiler besucht werden. Weitere Infos: Mechthild Haase Caritasverband in Ahrweiler Tel. 02641 – 75 98 60